Sonntag, 7. Januar 2018

Das Tongariro Alpine Crossing

Ja, ich habe es erlebt - oder vielleicht auch eher überlebt: das Tongariro Alpine Crossing.

Als ich in Napier auf dem Campingplatz war, habe ich mir spontan einen Shuttle für das Tongariro Alpine Crossing gebucht für den 28. Dezember. Irgendwie war ich nämlich in so einer Art Motivationstief nachdem ich den Great Walk beendet hatte. Nichts war wirklich als Ziel in Aussicht und ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte.
Und dann habe ich halt spontan das Tongariro Crossing gebucht.


Nach einer Übernachtung in Napier ging es dann also nach Taupo, beziehungsweise in die Richtung. Da geblieben bin ich nämlich nicht, sondern habe nur kurz einen Stopp am Lake Taupo gemacht und bin dann nach Turangi in die i-Site gefahren. Da hat mir die Frau leider auch schon erzählt, was mir die Frau von dem Shuttlebus mittags am Telefon gesagt hat: das Wetter soll schlecht werden.
Naja, was solls, solange der Shuttle nicht abgesagt wird, konnte es ja nicht sooo schlimm sein und deswegen habe ich mir dann keine weiteren Gedanken gemacht und bin zu einem Campingplatz in der Nähe des Shuttle-Abfahrspunkts gefahren.

Am nächsten Morgen ging es dann früh morgens schon zum Shuttle, der um 7 Uhr dann los zum Anfangspunkt nach Mangatepopo. Und nach einer Sicherheitsbelehrung des Busfahrers durften die anderen zwanzig Wanderer und ich dann endlich aussteigen und uns in die Reihe der vielen anderen Wanderer einreihen...
Das meine ich auch ernst. Am Anfang war es nämlich total voll auf dem Weg. Ständig ist jemand auf deinen Bildern drauf, entweder weil er versucht, dich zu überholen, während du für ein Foto stehen bleibst, oder er geht sowieso schon vor dir.
Und dann sind da die Gruppen von Asiaten, die sich einfach für ihr Picknick mitten auf den Weg setzen, für ein Gruppen-Selfie einfach stehen bleiben oder überholen und dann total langsam laufen...
Das Tongariro Alpine Crossing ist also auf keinen Fall eine Wanderung, die man macht, wenn man alleine sein möchte.

Aber warum sollte man dann das Tongariro Alpine Crossing überhaupt machen?
Nun ja, wie so oft hier in Neuseeland ist die Landschaft der Grund.
Schon nach den ersten Schritten versteht man, warum diese karge Vulkanlandschaft mit den als Kulisse für Herr der Ringe gewählt wurde. Es ist einfach total unwirklich, wie es dort landschaftlich aussieht...


Nach dem ersten Anstieg fing es dann an, zu schneien. Da habe ich mir erstmal nicht viele Gedanken drüber gemacht, schließlich hatte ich ja eine Leggins unter der Hose, T-Shirt, Top, ein Polypro- und ein Merino/Polypro Langarmshirt, Fleece- und Regenjacke sowie Schals und Mütze an...
Aber dann nach der Durchquerung des Kraters und dem Aufstieg auf den Kamm fing plötzlich der Sturm an.


Die Wettervorhersage war schon von Anfang an nicht gut gewesen. Überall wurde starker Südwind, also aus Richtung Antarktis, deswegen kalt, vorhergesagt. Und der Shuttle war auch auf "On Hold" gesetzt worden, ich hätte also auch spontan sagen können, dass ich das Crossing nicht machen und mein Geld zurück haben möchte...


Trotzdem habe ich das Tongariro Alpine Crossing gemacht und überlebt. Das trifft es nämlich ganz gut. Auf dem Kamm war es sehr stürmisch, teilweise musste ich mich sehr stark gegen den Wind anlehnen und hoffen, auf der anderen Seite nicht herunter zu rutschen. Dann waren meine Hände so eingefroren (trotz Handschuhen), dass ich meine Kamera nicht mehr halten konnte. Meine Haare waren vereist, sehen konnte ich wegen Schneesturm und Nebel auch kaum etwas.
Deswegen habe ich leider nur ein verschwommenes Bild von den Emerald Lakes, während ich den Blue Lake, den Red Crater und die gute Aussicht auf den Mount Ruhapehu nicht genießen konnte, weil nicht vorhanden...


Naja, nach dem Kamm ging es jedenfalls wieder. Es klarte auf, wurde sogar richtig warm und beim Abstieg durch den Wald war ich zwischendurch sogar ganz alleine, weil viele Leute auf einer Hütte am Wegesrand Pause gemacht haben.
Da habe ich auch kurz pausiert und nur in dieser Viertelstunde gleich zwei Hubschrauber zum Gipfel fliegen sehen...

Insgesamt habe ich dann das Tongariro Alpine Crossing in 5,5 Stunden (5 Stunden ohne Pause) gemacht. Einerseits hat es mich natürlich gefreut, es so schnell geschafft zu haben, andererseits denke ich aber, falls sich die Möglichkeit ergibt, das Crossing noch einmal bei gutem Wetter zu machen, diese zu ergreifen.
Trotzdem war es auf jeden Fall eine Erfahrung wert und ich kann es jedem nur empfehlen!


Auf dem Rückweg habe ich mir übrigens noch den Wasserfall angeschaut, der bei Herr der Ringe "Gollums Pool" ist. Den Namen habe ich leider vergessen...